Depressionen

Depressionen erkennen…

Ich habe zu Beginn meine Stimmungen und Befindlichkeiten nicht als Depressionen eingestuft. Extreme Müdigkeit, Antriebslosigkeit, häufiges Weinen, Gefühle von Überforderung und Überlastung, große Erschöpfung, das Alles habe ich auf meinen beruflichen Stress zurück geführt. Meine Tage begannen mit diesen Symptomen und sie endeten damit. Ich kam nach Hause, habe das Notwendigste erledigt und lag spätestens um 20.30 UHR im Bett. Genutzt hat es nicht viel. Es war mir nicht mehr möglich, erholt am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Im Januar war ich für zwei Wochen auf meiner Lieblingsinsel, La Gomera. Ich bin jedes Jahr einmal ganz für mich allein, um Kraft und Energie zu tanken. Ich bewohne in der Regel ein kleines Häuschen, weit weg vom Trubel, und ich geniesse die Zeit mit mir. Ich achte nur auf mich und meine Bedürfnisse. So war es bis zu diesem Urlaub. Am zweiten Tag bin ich morgens tränenüberströmt wach geworden, hatte Herzrasen und Panikattacken und habe drei Tage die Hütte nicht verlassen. Es ging mir so schlecht, dass ich morgens nicht mehr aufwachen wollte. Ich hatte keine Idee, warum.

Das Leben auf den Kopf gestelltDas Leben auf den Kopf gestellt.

Heute weiß ich, das im Januar mein BURNOUT begann. Damals hatte ich mich nach den zwei Wochen einigermaßen stabilisiert. Ich habe Überlastung angezeigt, um ein Coaching gebeten und ich habe tatsächlich geglaubt, ich schaffe es mal eben so aus der Krise……….

Im Mai war ich mit meinem Mann für drei Wochen auf Mallorca und es war ganz wunderbar. Wir wohnen jedes Jahr in einer kleinen Fischerhütte direkt am Meer, ganz einfach. Für uns der schönste Platz der Welt. Wir haben Freunde auf der Insel und es war wirklich entspannt und erholsam, dachte ich.

Wieder zurück……….Ich habe drei Wochen gearbeitet und bin dann komplett zusammengebrochen. BURNOUT. Meine Ärztin erklärte mir: der Akku ist leer, der Reserveakku ist leer, der Reserve-Reserve-Akku ist ebenfalls leer und ich fühlte mich auch komplett leer. Die ersten Tage und Wochen bestanden nur aus Tränen und Leere, unvorstellbar. Jetzt wurde mir vorsichtig erklärt, dass ich unter totaler Erschöpfung und schweren Depressionen leide. Ohne Schlaftabletten war an schlafen nicht zu denken. Das Schlimmste war, dass ich mich noch immer für meine Einrichtung und besonders für Kollegen/innen und Kinder verantwortlich fühlte. Ich wollte und konnte mir selbst nicht verzeihen, dass ich meine Arbeit nicht mehr leisten konnte.

Jetzt ist es 11 Wochen her. Mittlerweile habe ich mir verziehen. Es gab keinen anderen Weg als Diesen. Depressionen erkennen heißt auch, Depressionen als Aufforderung zu verstehen, für sich neue Möglichkeiten zu entdecken, unabhängiger zu werden, sich persönlich zu entfalten und ungelebte Möglichkeiten in der Zukunft zu realisieren. Das ist nicht einfach aber es ist der richtige Weg um wieder nach Vorne schauen zu können. Das habe ich verstanden.

Seit kurzer Zeit gestehe ich mir meine Depressionen ein und ich spüre wieder die  Sicherheit in mir, dass es weiter geht, wie auch immer. Es ist nicht mehr wichtig, wie es weitergeht. Entscheidend ist für mich, dass es weiter geht, dass ich es fühlen kann und dass ich darauf vertrauen kann. Ein zartes Pflänzchen. Ich fordere nicht mehr von mir, dass es jetzt passieren muss. Meine Therapeutin sagt, es braucht viel ZEIT.

Depressionen sind für mich neu entdecktes Land. Ich war immer Diejenige, die am Ende des Tunnels Licht entdeckte, wenn Andere schon aufgegeben hatten. Ich hatte immer noch Möglichkeiten für mich zur Verfügung, wenn es mal eng wurde. Und plötzlich…….Ich nehme mir jeden Tag vor, geduldig mit mir zu sein und ich nehme mir jeden Tag vor, meine Depressionen als zu mir gehörend anzunehmen. Ich versuche jeden Tag auf mein Gefühl zu hören. Was brauche ich jetzt in diesem Moment. Wenn wieder Tränen fließen, sage ich mir, das es OK ist. Ich will geduldig mit mir sein. Es ist schwer. Depressionen verschwinden nicht einfach, nur weil man das Prinzip verstanden hat. Sie sind aus der Summe meines Lebens entstanden und jetzt gab es diesen berühmten Tropfen, der das Fass hat überlaufen lassen. In so einem Fass verbergen sich eine Menge Tränen und die wollen betrauert werden.

Ein weiteres neues Bildungsvorhaben für mich:   Geduld mit mir haben!

Depressionen sind kein Ausdruck von Faulheit und Unwillen. Es ist ein Zustand, den man Niemandem wünschen würde. Belastend sind nicht nur große Traurigkeit und Erschöpfung. Vor Allem körperliche Symptome sind für mich sehr belastend, weil sie meine Beweglichkeit einschränken. Muskel- und Gelenkschmerzen sind ziemlich unangenehm und hindern mich oft daran in Bewegung zu bleiben. Aber, gerade Bewegung erlebe ich als entlastend. Ich nehme mich oft an die Hand und unternehme lange Spaziergänge in die Umgebung mit Hund und Mann.

Lachen, Freude und Spaß haben.....eines Tages

Lachen, Freude und Spaß erleben…..eines Tages wieder

Depressionen sind kein Dauerzustand. Ich habe gute Zeiten, in denen ich so abgelenkt bin, das ich Spaß und Freude erleben kann. Es ist nicht so, wie es mal war. Wie gesagt, es braucht Zeit. Ich bin mir sicher, eines Tages laufe ich wieder strahlend und lebensfroh durch die Gegend, mit neuem Wissen und neuen Erkenntnissen. Ich werde mir die Zeit zugestehen, die ich benötige.  Ich vertraue meiner Therapeutin und meinen Ärztinnen. Alles Andere wäre sehr unvernünftig.

Es gibt für Alles eine Zeit………..

 

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